Ortsgemeinde Herborn / Hunsrück \| Nachrichten

Politik Energiedorf-Pläne sollen in einer zweiten Präsentation erläutert werden

Interesse ist noch zu gering

Noch gibt es zu wenig Interesse an der Idee der Ortsgemeinde, Herborn zu einem Dorf zu entwickeln, das Strom und Wärme für seine Bedürfnisse selbst produziert und damit unabhängig wird von internationalen Märkten. „Bioenergie-Dorf“ nennt sich die Initiative, die vom auf dem Umwelt-Campus angesiedelten Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (Ifas) vor zwei Jahren vorgestellt wurde. Zum Prozedere gehört eine Machbarkeitsstudie. Die auf die Herborner Verhältnisse zugeschnittene Studie wurde in diesen Tagen von Dr. Alexander Reis (Ifas) in der Vereinshalle vorgestellt. 45 Neugierige waren gekommen – zu wenig als Argumentationshilfe für das Projekt, meinte Reis.

Demnächst wird es eine zweite Präsentation geben, wieder in der Vereinshalle – und dann, so hoffen Reis und Ortsbürgermeister Peter Remuta, kommen mehr Herborner, die an den Energiedorf-Plänen interessiert sind. Auch eine Umfrage, die voriges Jahr in Auftrag gegeben wurde, klingt nicht nach vorbehaltloser Zustimmung: 67 Prozent aller Herborner Haushalte füllten den Fragebogen aus, 42 Prozent waren interessiert am Projekt, weitere 11 Prozent sind zumindest nicht abgeneigt. Auch das reicht nicht, um die Pläne in Angriff zu nehmen. Herborn gehört zu den zehn Dörfern im Kreis, die fürs Coaching ausgewählt wurden: Ifas betreut die an der Selbstversorgungsidee interessierten Gemeinden, gibt Grundlagen-Workshops, veranstaltet eine „Zukunftswerkstatt“, reist in Orte, die Projekte bereits umgesetzt haben (die Herborner fuhren nach Alflen im Kreis Cochem-Zell), erstellt Machbarkeitsstudien.

Das Institut schult zurzeit insgesamt 22 Ortsgemeinden, darunter zwei im Saarland, mit Blick aufs Energiedorf-Engagement, vier Machbarkeitsstudien laufen. In Allenbach, einem weiteren Ort in der VG Herrstein, das an der Energiedorf-Idee interessiert ist, ist die anfängliche Euphorie abgeklungen, die Pläne liegen derzeit auf Eis. Denn beim wichtigsten Standbein dieses Nahwärmeverbunds, der Biogasanlage, gibt es Probleme. „Der Betreiber“, sagt Ortsbürgermeister Siegfried Burmann im Gespräch mit der NZ, „erfüllt verschiedene Auflagen nicht.“ Mittlerweile stehe die Hälfte der Einwohner dem Projekt vorsichtig gegenüber, sie wollen die Entwicklung in der Sache Biogasanlage abwarten.

Für Herborn kämen zwei andere Energieträger infrage. Holz vor allem, das im Gemeindewald reichlich vorhanden ist. Aber auch hier gibt es Skeptiker. In der Versammlung in der Vereinshalle warf ein Mann ein, es gebe zu wenige Buchen im gemeindeeigenen Forst, eine Frau fragte sich, ob Bäume nach dem Abholzen schnell genug nachwachsen. Aber auch ohne solche Details bleiben Fragen. Zum Beispiel, welche Kosten auf die am Verbund Beteiligten zukommen: Solange man nicht weiß, für welche Anlage man sich entscheidet und wie viele Bürger sich beteiligen, lässt sich die Frage nicht seriös beantworten. Oder ein Bedenken, das in Allenbach auftauchte: Was, wenn sich ein Hausbesitzer fürs Verbundkonzept entscheidet, aber Jahre später sein Haus verkaufen will, doch der Kaufwillige ist nicht an diesem Nahewärmenetz interessiert?

Das Holz für die Herborner Pläne würde jedenfalls in Form von Pellets oder Hackschnitzeln in der Heizzentrale verfeuert und über Wärmerohre in die angeschlossenen Haushalte geleitet. Ähnlich würde der Aufbau einer Solarthermie-Anlage aussehen, der zweiten Möglichkeit, die Reis für die Gemeinde Herborn verschlug. Er und der Gemeinderat haben bereits zwei Gebiete als möglichen Standort für die Heizzentrale ausgemacht: an den Tennisplätzen und an den Gärten.

Nahe Zeitung vom Mittwoch, 1. Juli 2015

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok