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„Gemeindeschwester plus“ startet in Herrstein und Rhaunen

Bis ins Alter Leben selbst gestalten

Die Freude ist groß, da werden Weichen für die Zukunft – auch mit Blick auf die demografische Entwicklung in ländlichen Regionen – gestellt. Angelaufen ist das Projekt des Landes „Gemeindeschwester plus“. Das Modellprojekt wird bis Ende Dezember 2018 in neun Landkreisen und kreisfreien Städten erprobt.

Das Land übernimmt die Personal- und Sachkosten von 12,5 Stellen an 13 Pflegestützpunkten. So auch im Bereich Herrstein/Rhaunen. Zum Projektteam gehören Ortwin Rech (VG-Verwaltung Herrstein), Kerstin Hartmann, Sozialarbeiterin und Mitarbeiterin des Pflegestützpunkts Herrstein/Rhaunen, die Gemeindeschwester-plus-Mitarbeiterinnen Katrin Völpel-Prinz, Carmen Faller und Ute Franz, Martina Streiß (VG-Verwaltung Herrstein, Bereich Sozialhilfe), Dirk Köbrich, Sozialamtsleiter der Kreisverwaltung, sowie der Rhaunener VG-Chef Georg Dräger.

Vollzeitstellle für 25 Gemeinden

Katrin Völpel-Prinz aus Niederwörresbach hat eine Vollzeitstelle. Sie ist Kinderkrankenschwester und war zuletzt in einer Wohngruppe in einer heilpädagogischen Einrichtung tätig. Sie betreut 25 Ortsgemeinden: Sien, Sienhachenbach, Oberreidenbach, Dickesbach, Mittelreidenbach, Schmidthachenbach, Fischbach, Niederwörresbach, Herrstein, Berschweiler, Bergen, Griebelschied, Sonnschied, Niederhosenbach, Breitenthal, Wickenrodt, Oberhosenbach, Weiden, Bruchweiler, Kempfeld/Katzenloch, Mörschied, Oberwörresbach, Hottenbach, Asbach und Hellertshausen.

Ihre Motivation: „Es liegt mir am Herzen, die Lebenssituation hochbetagter Menschen in unserer Region zu verbessern. Auch ich möchte hier im Hunsrück alt werden und möglichst lange zu Hause leben.“ Dazu brauche es eine gut funktionierende Versorgungsstruktur. „Ich habe die Möglichkeit, aktiv dabei mitzuwirken, dass alte Menschen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld leben können“, sagt sie.

Carmen Faller aus Stipshausen hat eine halbe Stelle. Sie ist examinierte Krankenschwester und Intensivfachschwester und zuständig für die Verbandsgemeinde Rhaunen mit 13 Gemeinden: Rhaunen, Stipshausen, Weitersbach, Horbruch, Krummenau, Gösenroth, Schwerbach, Oberkirn, Hausen, Bundenbach, Bollenbach, Sulzbach und Schauren.

Faller sagt: „Kranke gehen ins Krankenhaus, Pflegebedürftige werden durch Pflegedienste oder Einrichtungen versorgt. Doch wer hilft alten Menschen? Jetzt kann ich helfen, das Leben dieser Menschen angenehmer zu machen: soziale Kontakte vernetzen und das alltägliche Leben erleichtern, um unbeschwert lange und zufrieden zu Hause sein zu können.“

Ute Franz aus Mackenrodt hat ebenfalls eine halbe Stelle. Sie ist examinierte Krankenschwester und hat langjährige Erfahrung im ambulanten Pflegedienst. Sie ist für zwölf Gemeinden zuständig: Mackenrodt, Hettenrodt, Kirschweiler Vollmersbach, Gerach, Hintertiefenbach, Veitsrodt, Herborn, Langweiler, Sensweiler, Wirschweiler und Allenbach. Auch sie möchte die Lebenssituation älterer Menschen nachhaltig verbessern und helfen, soziale Kontakte zu beleben: „Damit ältere Menschen noch möglichst lange zufrieden in den gewohnten vier Wänden leben können“, erklärt Franz.

Die Aufgaben der Gemeindeschwester plus sind klar definiert: Hausbesuche von nicht pflegebedürftigen Menschen im Alter ab 80 Jahren innerhalb der Verbandsgemeinden nach dem Prinzip der Freiwilligkeit stehen im Fokus. Viele Frage stellen sich aktuell: Was brauchen Gemeinden, damit alte Menschen dort gut und lange selbstständig leben können? Welchen Bedarf haben hochbetagte Menschen? Was funktioniert, was nicht? Wo funktioniert bürgerschaftliches Engagement, Nachbarschaftshilfe, wo nicht?

Hier sollen Bedürfnisse und Möglichkeiten ausgelotet werden. Bürgerliches Engagement fördern, neue Netzwerke erschließen, fehlende Angebote (beispielsweise Fahrdienste oder Treffpunkte) kreieren: Da gibt es im Zusammenspiel mit der Kommune, Vereinen und anderen Dienstleistern Möglichkeiten, sind die Initiatoren überzeugt. So sollen auch Impulse an Netzwerkpartner und Kommunen gegeben werden, um die Weiterentwicklung und Gestaltung des ländlichen Raumes zu fördern.

Die Ziele sind hochgesteckt: die Lebenssituation der Senioren so zu verbessern, dass sie auch im hohen Alter zu Hause ein selbstbestimmtes Leben führen können. Eine Pflegebedürftigkeit soll möglichst lange vermieden werden und Gemeinden auch mit Blick auf ältere Mitbürger lebendiger werden.

Hausbesuche ab Dezember

Verschiedene Arbeitsschritte sind zum Projektstart abzuarbeiten: Nach einer Orientierungsphase, in der es auch darum geht, das Angebot in die Gemeinden zu tragen und Multiplikatoren mit ins Boot zu holen, folgen ab Dezember Hausbesuche bei den alten Menschen ab 80 Jahren in den Gemeinden. Die interessierten Senioren wenden sich entweder selbst, über ihre Angehörigen oder über die Ortsbürgermeister an die Gemeindeschwester plus. Durch das vernetzte Wirken der Gemeindeschwestern unter Nutzung der Möglichkeiten der hochbetagten Menschen und der Gemeinden sowie Netzwerkpartner sollen die Orte gestärkt und lebendiger werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung.

Nahe Zeitung vom Mittwoch, 14. Oktober 2015

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