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Ray Wilson besser als Phil Collins

Wer nicht dabei war, hat eindeutig was verpasst: Ray Wilson gilt als sympathischer, charismatischer Ausnahmesänger und auf der Bühne als exzellenter Entertainer. Und diesen Ruf untermauerte das frühere Genesis-Mitglied auch in der für kleine, aber feine Musik-Events bestens geeigneten Herborner Halle.

Die rund 350 Zuhörer erlebten ein Rock-Pop-Folk-Konzert der Extra-Klasse und einen unvergesslichen Abend: Und letztlich auch die erste wahre Ü30/Ü40-Party seit langer Zeit im Kreis Birkenfeld... Da wippte und sang eine ganze Generation der in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren Geborenen begeistert mit und – angesichts verklärter Blicke offensichtlich – wurde so manche Erinnerung wach. „No son of mine“, „Carpet Crawlers“, „Mama“ (mit herrlich dreckigem Lachen versehen), „Land of confusion“, „That's all“, das herzerweichende „Follow you, follow me“... Genesis-Klassiker wechselten sich mit gefühlvollen Stücken der neuen Wilson-CD „Unfulfillment“ ab.

1994 stieg Wilson als Sänger bei der schottischen Band Stiltskin ein, die mit „Inside“ einen Riesenhit aufweisen konnten, der in erster Linie durch einen Jeans-Werbespot zustande kam. Durch den Erfolg wurden die Genesis-Musiker auf Wilson aufmerksam und engagieren ihn nach dem Ausstieg von Phil Collins.

Von 1996 bis 1999 war er Sänger und auch Songwriter der legendären Popgruppe. Nach der Auflösung von Genesis besann sich Wilson wieder seiner Wurzeln. Dieser Tage veröffentlichte er mit Genesis vs. Stiltskin ein umfangreiches Album-Package, bestehend aus zwei Audio-CDs und einer DVD von Genesis-Classic und dem Studio-Album „Unfulfillment“.

Wilson kombiniert typisch schottische Gelassenheit mit der Power gut gemachter Rock-Musik, tiefgründigen Songtexten und komplexen Streicher-Arrangements, die auch in Herborn beeindruckten. Was der smarte und trotzdem kernige Musiker da gemeinsam mit seinem Bruder Steve und dem Pianisten Filip Walcerz ablieferte, war hochprofessionell, vor allem aber grundehrlich, kein bisschen künstlich und extrem kurzweilig. Und so mancher Zuhörer stellte fest, dass Ray-Wilson vielleicht der deutlich bessere Phil Collins ist. Er „knödelt“ weniger und inszeniert sich nicht so extrem wie sein weitaus berühmterer Kollege Phil, der nicht gerade als Ray Wilson-Fan gilt. Vielleicht ist da Neid im Spiel, weil der kleine Star den großen eigentlich locker in den Sack steckt... Bei „In the air tonight“ setzte er auf das Echo aus dem textsicheren Publikum. Auch bei „Another day in paradise“ wurde fleißig mitgesungen. Einfach großartig und nach wie vor mit programmiertem Gänsehautfaktor: „Solsbury hill“ von Peter Gabriel. Auch den Mike-Rutherford-Hit (mit „Mike and the Mechanics“) „Another cup of coffee“ präsentiert Wilson mit beeindruckender Leichtigkeit. Entsprechend begeistert und zufrieden war auch Stephan Dreher, der Wilson nach Herborn geholt hatte und ankündigte, nach Möglichkeit weitere Top-Acts in seine Heimatgemeinde zu locken.

Nahe Zeitung vom Montag, 19. September 2011

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