Herborner singen fröhliche Lieder

Gastgeber und Gastchöre gestalten entspannten Konzertabend

Herborn. Um ein Konzert abwechslungsreich zu gestalten, bedarf es der intensiv durchdachten Vorbereitung. Mit diesen Überlegungen haben sich in Herborn die Chorleiterin Maria Schukov sowie die Vorsitzende Ingrid Schmidt und der Vorstand über Monate beschäftigt. Nun wurde in der blumenreich geschmückten Vereinshalle Herborn den Zuhörern ein erfrischendes Konzert geboten.

Frühlingshaft waren die Tische geschmückt, sodass sich die große Zahl der Gäste schnell in die angenehme Atmosphäre einfinden konnte. Die Bühne bot ein zauberhaftes Bild, als der gastgebende Chor fröhlich sein erstes Lied mit der thematischen Aufforderung „Sing mit mir, singe, lache, tanz mit mir” anstimmte. In ihrer charmanten Art begrüßte Ingrid Schmidt die Gäste und bedankte sich, dass so viele der Einladung gefolgt waren. Die Vorsitzende des Kreis-Chorverbandes, Birgit Klein, betonte, dass sie bereits in Herborn heimisch geworden sei, weil sie hier längere Zeit im Chor mitgesungen habe. Ihr fiel die Aufgabe zu, drei bewährten Sängern – Irmgard Müller, Christa Heinz und Emil Falz – für 40 Jahre Singen im Chor eine Ehrenurkunde zu übergeben.

Der Liederreigen, der unter dem Motto stand „In unseren Liedern blüht das Leben”, wurde fortgesetzt mit dem von Ilse Werner 1942 dargebotenem Lied „Musik, Musik, Musik” von Peter Kreuder und dem aus Israel stammenden munteren Mailied „Galija”.

Ein besonderes Verdienst kam dem Kreishandwerkerchor zu, der kurzfristig seine Beteiligung zugesagt hatte und mit zahlenmäßig eingeschränkter Sängerschar in fescher Zimmermannskleidung auf die Bühne trat. Unter der Leitung von Friedel Schmidt setzten sie einen eigenen Akzent. Sie sangen von fröhlicher Singgemeinschaft, von der Sehnsucht eines fahrenden Handwerksgesellen nach seiner Heimat und baten in dem Chorus „Dona pacem, Domine” um den Frieden in der Welt. Bei dem Vortrag des „Handwerkers Abendgebet” übernahm Manfred Fuchs den Solopart. Die Besucher bedankten sich bei den Handwerkern mit starkem Applaus.

Nun trat die 13-jährige Sofia Gellbling ans Klavier und erfreute das staunende Publikum mit einem exakt gespielten Präludium von Johann Sebastian Bach. Bei ihrer Klavierlehrerin Maria Schukov hat sie diese perfekte Interpretation erlernt. Dass sie um eine Zugabe gebeten wurde, nahm sie gern an.

Für eine weitere Überraschung sorgte der mit sieben Sängerinnen besetzte evangelische Frauenchor „Frauentöne” aus Herrstein-Wickenrodt unter der Leitung von Annelie Heylmann. Mit großer dynamischer Bandbreite sangen sie Spirituals wie „Nobody Knows the Trouble I Have Seen” und „Lord, I Want to Be a Christian”. Die Solopartien wurden abwechselnd eindrucksvoll gesungen. Heidrun Koch verband die Lieder mit einer humorvollen Ansage.
Zum Abschluss des ersten Programmteils sang Gerd Gerhardt mit warmem Bariton Frank Sinatras berühmtes Lied „My Way”, ein nachdenkenswerter Rückblick auf die Stationen des eigenen Lebens. Am Klavier wurde er begleitet von Friedel Schmidt.
Der zweite Teil bot neue Chorvariationen. Der Frauenchor Herborn begann mit zwei wunderschön vorgetragenen Volksliedern von Johannes Brahms. Danach durften alle im Saal unter der Leitung von Maria Schukov den Kanon „Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder” anstimmen. Ein großer, fröhlich singender Chorklang füllte die große Halle.

Unter der Leitung der jungen, musikbegabten Elena Fillmann stimmten sich die Sängerinnen und Sänger aus Leisel mit munteren, ja witzigen Liedern ein in das Liederkaleidoskop des Abends. So waren die Gesänge „Kein schöner Land in dieser Zeit” oder „Wochenend voll guter Laune” erfrischend sauber intoniert. Ebenso das Abschiedslied „Gute Nacht, Freunde” von Reinhard Mey. Stark motivierend und zum Schmunzeln anregend erklang die gesungene Frage „Warum sing ich eigentlich im Chor”, die jeder für sich beantworten sollte.

Ganz aus dem gewohnten Rahmen eines Chorkonzertes fiel der Auftritt des „Bären-Trios”, das sich ausnahmslos auf Berliner Lieder und Couplets eingestellt hat. Gudrun Gottschalk und Wolfram Anders, beides echte „Berliner Kinder”, haben seit Jahren mit Begeisterung Auftritte bei unterschiedlichen Veranstaltungen erlebt. Friedel Schmidt begleitete sie am Klavier. Heinrich Zille hat bei den verbindenden anekdotenhaften Zwischentexten, die Wolfram Anders moderierend vorträgt, immer einen festen Platz.

Einen letzten Höhepunkt gestaltete der Herborner Chor. Sehr konzentriert gingen die Sänger auf die ausdrucksstarken Dirigate ihrer Leiterin ein. Sei es bei „Wie kann es sein” oder bei „Aux Champs-Elisées”. Als letzten Programmpunkt hatte sich Schukov für das von Vicky Leandros so unvergessen ins Gemüt gehende Lied „Ich liebe das Leben” entschieden.

Der lange, mit Herzblut vorbereitete Konzertabend fand beim Publikum die verdiente Resonanz. Er wurde mit dem Lied „Amigos para siempre” – „Wir wollen immer Freunde sein” – von Lloyd Webber beschlossen.

Nahe Zeitung vom Donnerstag, 4. Mai 2017